Von Krumbach auf den Spuren des Einsiedlers von Maria Baumgärtle

Heinrich Maucher hat das Mariental gestaltet.

35 Jahre (bis zu seinem Tod 2020) lebte Heinrich Maucher als Eremit in einem Wald bei Maria Baumgärtle im Unterallgäu. Das von ihm errichtete "hölzerne Dorf" ist Ziel unserer rund 45 Kilometer langen Tour.

  • Strecke
    44,01 km
  • Dauer
    3:04 h
  • Aufstieg
    306 Hm
  • Abstieg
    302 Hm
  • Schwierigkeit
    -

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Ohne Strom und fließendes Wasser, 35 Jahre lebte Landwirt Heinrich Maucher als Einsiedler bei Maria Baumgärtle. Rund 50 Kapellen und Hütten sind bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren entstanden. Die Siedlung im Wald blieb erhalten, bis heute finden viele Menschen den Weg in Mauchers "Mariental". Von Krumbach sind wir mit dem Rad auf reizvollen Wegen dorthin unterwegs. Die Runde hält weitere besondere Stationen bereit. Im Wald südlich von Krumbach gibt es eine Gedenkstätte für einen 1944 von US-Piloten abgeschossenen deutschen Jagdflieger. Wir sind zu Gast in der Wallfahrtskirche Maria Baumgärtle (1882/83) und passieren die Naturtherme Bedernau. In Loppenhausen und Aletshausen gibt es reizvolle Kneippgelegenheiten.

Die Runde beginnt im Krumbacher Stadtgarten. Wir verlassen Krumbach auf dem Kammeltalradweg in südliche Richtung. über die Bahnlinie zur Straße Krumbach-Waltenhausen und auf dem Radweg nach Süden. Von rechts nähert sich der Wald der Straße. Nach diesem Waldabschnitt rechts und dann links. Im Bereich einer Futterstelle und eines Jägerstandes links in den Wald hinein, dann ist bald die kleine, gepflegte Gedenkstätte für einen deutschen Jagsflieger erreicht. Auch ein orangefarbener Pfeil an einem Baum weist nach links zur Gedenkstätte.

Wir begegnen hier einer nachdenklich stimmenden Geschichte, die uns zurückführt in die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs. Am 18. März 1944 starb der junge deutsche Pilot A. R. Schnetzer bei einem Luftkampf mit amerikanischen Jagdflugzeugen. Unteroffizier Schnetzer war 23 Jahre alt (geboren am 26. Dezember 1920 in Hausach im Schwarzwald, dort ist er auch beerdigt). Seine Maschine stürzte im Waldbereich Reute südöstlich der ehemaligen Krumbacher Deponie ab. Im Bereich der Absturzstelle steht ein schlichtes Holzkreuz mit einem Flugzeugblechteil aus Aluminium, das später gefunden wurde. Wie Josef Reiser, Hohenraunauer Bürgermeister während des Zweiten Weltkriegs, der Lokalzeitung "Mittelschwäbische Nachrichten" in einem Gespräch in den 1970er-Jahren sagte, sei es ein „ungleicher Luftkampf“ gewesen, denn mindestens sechs amerikanische Flieger griffen drei deutsche Maschinen an. Die beiden anderen deutschen Flugzeuge seien gleichfalls getroffen worden und bei der Einöde Tannengehau südlich Waltenhausen beziehungsweise im Waldabteil Helsen südlich von Ebershausen abgestürzt. 

Josef Reiser war am Absturztag des Jahres 1944, einem kalten Spätwintertag, dabei, mit seinem Ochsengespann Dung auf seine Wiese zu fahren. Er habe den Luftkampf genau beobachten können. Gleiches sei seinem Sohn Georg möglich gewesen, der sich nach der Schule in Krumbach vom Niederraunauer Bahnhof auf dem Heimweg befand. Sein Vater habe sich, wie sich sein Sohn erinnerte, dann am Nachmittag nach dem Luftkampf mit einigen beherzten Mitbürgern durch fast meterhohen Schnee zur Absturzstelle begeben. Zu retten habe es hier nichts mehr gegeben und so habe Josef Reiser "pflichtgemäß" den damaligen Landrat Ludwig Nachreiner in Krumbach verständigt. Zwei Tage später sei ein aus Österreichern bestehendes Bergungskommando gekommen, das die Überreste des Flugzeugs und den toten Piloten per Lkw abtransportiert habe. Näheres über seine Identität sei nicht zu erfahren gewesen.

Ein Jahr später erhielt Josef Reiser Besuch des Vaters von Schnetzer und begleitete ihn an die Absturzstelle. Das Schicksal wollte es, dass die beiden in dem heute noch sichtbaren Absturztrichter ein Schlüsselbein des Toten fanden. Der leidgeprüfte Vater habe es mitgenommen und wollte es auf dem Heimatfriedhof begraben. „Mein Vater hat von den Angehörigen nichts mehr erfahren“, berichtete  sein Sohn Georg später.

 

Josef Reiser fertigte ein Birkenkreuz und pflegte die kleine Gedenkstätte bis zu seinem Tod im Jahr 1982. Anschließend wurde das Kreuz von "unbekannter Hand" erneuert, eine kleine Tafel und sogar ein Bild wurden angebracht. Einige Jahre wurde die Pflege wohl von Niederraunauer Bürgern mit Hans Harder an der Spitze übernommen. In wessen Hand jetzt die Obhut liegt, war zuletzt unbekannt. Eines aber steht fest, die kleine Gedenkstätte kann als „liebevoll gepflegt“ bezeichnet werden.

 

Im August 1944 gab es im Himmel über Niederraunau noch einen weiteren Luftkampf mit tragischem Ausgang. Am 8. August 1944 fand der aus Verden/Aller stammende Leutnant Karl den Tod. Er war aus seinem getroffenen Flugzeug geschleudert worden, das anschließend führerlos bis nach Krumbach flog und am südwestlichen Stadtrand abstürzte. Dem toten Piloten widmeten die Hohenraunauer südlich des Mühlbergs gleichfalls ein Erinnerungskreuz, das es aber nicht mehr gibt.

Nach dem Stop an der Schnetzer-Gedenkstätte fahren wir weiter auf dem passageweise recht steilen, aber gut befahrbaren Weg, rechts Spuren der inzwischen geschlossenen Deponie Reutte. Dann links, der Weg schlängelt sich nach rechts, dann biegen wir nach rechts ab und rollen bis zum Waldrand. Hier scharf links und nach Süden. Ein Gedenkkreuz für den hier 1915 bei Waldarbeiten tödlich verunglückten Simpert Glück wird erreicht. Weiter nach Süden. Rechts taucht ein Erdhügel auf, der wohl aus der Keltenzeit (bis 15 vor Christus beherrschten die Kelten unseren Raum) stammt. Schließlich links und rechts auf der Höhe aus dem Wald hinaus und zur Straße Waltenhausen-Hairenbuch. Links und wieder rechts, der Weg schlängelt sich wieder in einen Wald hinein. Wir folgen dem Hauptweg nach Süden. Ein Wegkreuz für die hier 1954 tödlich verunglückte Julianne Schmid wird erreicht. Bald sind wir im kleinen Ort Halden. Östlich des Ortes entspringt das Krumbächle. Wir schwenken nach links auf die Straße Richtung Breitenbrunn ein. Dann nach rechts auf einem malerischen Sträßchen nach Fürbuch. Nach dem Weiler Beblinstetten rechts auf einen geschotterten Weg und nach Märxle. Hier können wir uns in einem reizvollen Hofladen stärken. Über die Straße Bedernau-Dietershofen und an einer Weggabelung links Richtung Mariental. Am kleinen Bächlein Hintere Gutnach rechts, dann ist Heinrich Mauchers legendäres hölzernes Dorf bald erreicht. Holzkapellen, Bildstöcke, Gemälde, Rosenkränze, eine Unmenge von Devotionalien in den Hütten: Wir begegnen Mauchers tiefem Glauben in Abgeschiedenheit und sind zu Gast an einem Ort, der auch Jahre nach Mauchers Tod (35 lebte der Landwirt hier) noch viele Menschen anzieht. 

 

Heinrich Maucher (1940 bis 2020) ist vielen als der „Eremit von Baumgärtle“ bekannt. Dank seiner handwerklichen Begabung und mit Unterstützung einiger Helferinnen und Helfer schuf er das Mariental. Die Handschrift des Landwirts und gelernten Zimmermanns Maucher wird hier sichtbar. 1985 zog er sich in den Wald zurück, er lebte dort ohne fließendes Wasser und Strom. Er widmete sein Werk der Gottesmutter Maria. Maucher galt als bescheidener, aber geselliger Mann, der Pilger und Besucher wiederholt auch auf einen Tee in seine Hütte einlud. Er starb am 19. November 2020 im Alter von 80 Jahren. Das Erbe pflegt der Orden der Mütter vom Heiligen Kreuz. Der katholische Frauenorden wurde 1844 in Mengzingen im Schweizer Kanton Zug ins Leben gerufen. Zudem gibt es vor Ort einen Unterstützerkreis, der nicht die Öffentlichkeit sucht, aber die Einrichtungen im Mariental weiter pflegt. Das Mariental ist weiterhin ein beliebtes Ziel für Wanderer und Gläubige.

Wir verlassen das Mariental schließlich wieder in nördliche Richtung. Dann rechts und zur Straße. Rechts und weiter zur bekannten Wallfahrtskirche Maria Baumgärtle. Unsere Gedanken gehen zurück zu den Anfängen der Wallfahrt im Jahr 1721 in den Baumgärten von Christoph Reichsgraf von Muggenthal, dem Herren von Bedernau. Die Herzogin Mauritia Febronia von Bayern hatte dem Reichsgrafen testamentarisch eine Nachbildung des Altöttinger Gnadenbildes vermacht. Muggenthal ließ das Gnadenbild 1721 in seinen Baumgärten "Baumgärtle" in einer Kapelle aufstellen.

 

Nach dem Bruch der Säkularisation und des sogenannten Kulturkampfes, den Bismarck gegen die katholische Kirche führt, kommt im Jahr 1871 ein Missionar aus dem Elsass nach Maria Baumgärtle. Die Tradition der Wallfahrt begründen die Missionare vom Kostbaren Blut in den folgenden Jahren neu. 1882/83 wird die Wallfahrtskirche gebaut

 

Die 1882/83 erbaute Kirche ist in Radlerkreisen unter anderem durch den am 15. August jährlich stattfindenden Radlertag bekannt. Die .issionare vom kistbaren Blut sind bus heute aktiv. Hier lohnt sich eine ausgiebige Pause. Nebenan befindet sich das Gasthaus Maucher (es gibt einen verwandtschaftlichen "Draht" zum Einsiedler). Bei Gasthäusern ist es generell ratsam, sich vor einer Radtour genau nach den Öffnungszeiten zu erkundigen. Vom Gasthaus dann weiter nach Norden, rechts auf die Straße, durch Brandstetten, den Berg hinauf und links Richtung Bedernau. Wir passieren die bekannte Naturtherme. In diesem Bereich wurde in den 1960er-Jahren auch in geringen Mengen Öl gefördert. Weiter auf der Straße von Bedernau nach Breitenbrunn. Auf dem Kammeltalradweg rollen wir zurück nach Krumbach. In Loppenhausen und Aletshausen können wir uns auf dem Rückweg noch bei reizvollen Kneippgelegenheiten an der Kammel entspannen.

Anfahrt

In Krumbach kreuzen sich die Bundesstraßen B 300 und B 16. Der Stadtgarten befindet sich im Zentrum der Stadt. 

Parken

In der Krumbacher Innenstadt ist dies meist problemlos möglich. 

Öffentliche Verkehrsmittel

Krumbach (der Bahnhof ist rund 500 Meter vom Stadtgarten entfernt) ist Haltepunkt der Mittelschwabenbahn Günzburg-Mindelheim. Krumbach ist Teil der Busverbindung 600 Krumbach-Augsburg.

Die Runde führt vor allem in der ersten Hälfte über gute Wald- und Feldwege. So sind keine besonderen Sicherheitshinweise zu beachten. 

Zur Naturtherme Bedernau.
Station im Mariental.
Kneippgelegenheit bei Loppenhausen.
Hofladen in Märxle.
Gedenkstätte für Jagdflieger Schnetzer.
An der Wallfahrtskirche Maria Baumgärtle.

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