Auf den Spuren der reichen Augsburger Fugger.
Friedrich Stettmayer, Friedrich_Stettmayer
- Strecke1,86 km
- Aufstieg19 Hm
- Schwierigkeit-
Der Fugger Stadtspaziergang startet in der weltberühmten, 1521 gestifteten Fuggerei in der Jakobervorstadt. In den insgesamt 140 Wohnungen in 67 Häuschen um die acht Gassen der ältesten bestehenden Sozialsiedlung der Welt wohnen rund 150 bedürftige katholische Augsburger für eine jährliche Kaltmiete von schier unglaublichen 0,88 Euro. In der Fuggerei findet man neben der Kirche St. Markus mehrere Museen sowie eine Bronzebüste des Stifters Jakob Fugger, für den die Fuggereibewohner einmal täglich drei Gebete – das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und das Ave-Maria – sprechen sollen. Eine Gedenktafel in der Mittleren Gasse erinnert an den heute prominentesten Bewohner der Fuggerei, den Maurer Franz Mozart: Er war der Urgroßvater von Wolfgang Amadé Mozart.
Direkt neben der Fuggerei, mitten auf dem Jakobsplatz, sieht man den Neptunbrunnen. Die Brunnenfigur der antiken Wassergottheit stand ursprünglich wohl im Lustgarten eines Fugger. Von her aus aus folgt man der Jakoberstraße und der Barfüßerstraße in Richtung Stadtmitte und Rathaus und kommt so zum Rathausplatz. Dort steht der Augustusbrunnen, der erste der drei Monumentalbrunnen, die seit 2019 zu den 22 Objekten des UNESCO-Welterbes „Augsburger Wassermanagement-System“ gehören. Octavian Secundus Fugger, ein Stadtbaumeister (ein Patriziern vorbehaltenes Ehrenamt), hatte Vorbilder für den Renaissancebrunnen in Italien gesehen. Hans Fugger hatte den Schöpfer der lebensgroßen Bronzefiguren, den Bildhauer Hubert Gerhard, nach Augsburg geholt.
Anders als am Augustusbrunnen entdeckt man den Namen Fugger auf der Bauherrentafel im atemberaubend glanzvollen Goldenen Saal des Rathauses. Neben dem Rathaus steht die uralte Kirche St. Peter am Perlach, in der das Gitter des Sakramentshäuschens, das Hochaltarblatt, die Petrusfigur am Chorbogen und das gotische „Fuggerkreuz“ an der Westwand an Schenkungen der reichen Fugger erinnern.
Überquert man den Rathausplatz, gelangt man in der Philippine-Welser-Straße zum einstigen Fuggerhaus "am Rindermarkt" mit dem so markanten Lilienwappen über dem gotischen Portal. Von dort aus schaut man schon auf das Fuggerdenkmal auf dem Fuggerplatz. Der bayerische König Ludwig I. hat das Denkmal für den Büchersammler, Pleitier und bayerischen Finanzminister Hans Jakob Fugger bezahlt. Beim Denkmal liegt der Eingang zum Maximilianmuseum, wo etliche Kunstwerke und andere Exponate an die Fugger, an Kaiser Maximilian I. und die Welser erinnern.
Nach ein paar Schritten über den Martin-Luther-Platz steht man vor der Kirche St. Anna: Die Grablege der Fugger – die Fuggerkapelle – ist eine der drei Stiftungen Jakob Fuggers „des Reichen“ von 1521. Die prachtvoll ausgestattete Kapelle der katholischen Fugger in der heute evangelischen Kirche ist ein weit und breit einzigartiges konfessionelles Kuriosum. An einem großen Flügel der Fuggerorgel erkennt man den Stifter, auf dem anderen ist Kaiser Maximilian I. in Jagdkleidung abgebildet.
Über den Martin Luther-Platz geht es zurück zur Maximilianstraße und zur Kirche St. Moritz. Für diese Kirche hat Jakob Fugger 1521 eine Predigerstelle gestiftet. Auf dem Platz vor der Kirche findet man den Namen Fugger an der Brunnensäule des Merkurbrunnens – nun UNESCO-Welterbe wie der nahe Herkulesbrunnen: Auch an diesem Brunnen war ein Fugger beteiligt.
Nur ein paar Schritte vor diesem Brunnen liegt das Adlertor der Fuggerhäuser (Maximilianstraße 38). Über den Eingang Maximilianstraße 36 kommt man durch den kleinen Zofenhof zum Damenhof und zum Serenadenhof. Über das angrenzende Schaezlerpalais erreicht man die Staatsgalerie in der Katharinenkirche, wo Dürers Porträt von Jakob Fugger „dem Reichen“ zu sehen ist.
Vorbei am einstigen Fuggerhaus Maximilianstraße 58 – einem für die Renaissancezeit typischen Bau mit Arkaden über dem Innenhof – kommt man zur Basilika St. Ulrich und Afra (Ulrichsplatz). In dieser früheren Benediktinerklosterkirche sind fünf fürstlich ausgestattete Grabkapellen der Fugger zu besichtigen. Auch die Fuggerorgel auf der Westempore ist eine Schenkung der Familie: Malereien auf den Orgelflügeln stellen mehrere Fugger, darunter Jakob Fugger „den Reichen“, dar. Die Figurengruppe auf der marmornen Arkadenwand vor der Fugger’schen Markuskapelle ist ein Höhepunkt der Renaissancekunst in Deutschland.
(c) Günther Bayerl // www.gbayerl.com
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