Alte Apfel- und Birnensorten aus Bayerisch-Schwaben

Bayerisch-Schwäbische Spezialitäten lassen sich auch in Form alter Obstsorten finden, die nur in der Region vorkommen. Diese seltenen Raritäten sind oftmals stark gefährdet – und somit Genussschätze, die bewahrt werden wollen.

Insgesamt gibt es in Bayerisch-Schwaben rund 261 Apfelsorten und 96 Birnensorten. Das ist das Ergebnis einer großen Streuobsterfassung der Jahre 2016 bis 2019.
Ziel dieser „pomologischen Reise“ war es, die in Bayerisch-Schwaben erhaltenen Apfel- und Birnensorten als Teil der regionalen Obstkultur zu erfassen, zu dokumentieren und zu erhalten. Insgesamt 281 Sorten konnten sicher bestimmt werden, 76 gingen als unbekannt in die Statistik ein.

Apfelbäume können bis zu 120 Jahre alt werden. Birnbäume werden nicht selten älter als 200 Jahre. Streuobstbäume und –wiesen prägen die bayerisch-schwäbische Kulturlandschaft. Da stellt sich doch die Frage – gibt es von diesen über 300 Sorten Äpfel und Birnen, die hier in Bayerisch-Schwaben ihren Ursprung haben bzw. nur hier vorkommen? Also richtige Regionalsorten?

Nur ein kleiner Teil der einstigen großen Sortenvielfalt regionaler Apfel- und Birnensorten in Bayern hat überlebt. Lokal oder regional verbreitete Sorten wurden im Laufe der Zeit verdrängt, durch das Engagement einzelner Landwirte, Obstgärtner, Baumschulbetreiber und Baumwarte überdauerten doch einige wenige. Mit viel Liebe und Verbundenheit zu den alten Obstsorten konnten so Bayerisch-Schwäbische Apfel- und Birnensorten erhalten werden.

Durch das Projekt konnten diese regionalen „Genussschätze“ entdeckt werden. Regionalsorten sind so definiert, dass sie nach aktuellem Kenntnisstand und historischen Quellen nur in der entsprechenden Region vorkommen. Jüngere Vorkommen werden dabei nicht berücksichtigt.

Der Beyerapfel – ist eine gefährdete Sorte, gezüchtet wurde er von Benedikt Beyer aus Erbishofen im Landkreis Neu-Ulm, 1995 lässt sich der Apfel im Obstbaumuseum Pfaffenhofen a. d. Roth finden

Der Pfaffenhofer Schmelzling – die Apfelsorte ist bedingt gefährdet und wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Landkreis Neu-Ulm von Benedikt Beyer entdeckt bzw. gezüchtet, dem „Vater“ des Beyerapfels

Der Leitheimer Streifling – ist eine gefährdete, traditionelle Apfelsorte im Donau-Ries, nur noch ein Altbaum ist bei Kaisheim/Leitheim bekannt, der Streifling wurde erstmals 1806 beschrieben

Der Hügelsharter Gravensteiner – er ist bedingt gefährdet, Hügelshart ist ein Ortsteil der Stadt Friedberg, die früheste Nennung des Apfels  ist datiert auf das Jahr 1946 – er taucht auf einem Pflanzplan auf, 1953 findet er sich auf der Preisliste der Baumschule Ketzer

Der Ketzers Taffetapfel – gefährdet, so manche Regionalsorte im Wittelsbacher Land, dem Landkreis Aichach-Friedberg, gibt es vermutlich nur noch aufgrund des Engagements der Baumschule Ketzer, dem Namensgeber der Apfelsorte. Ab 1940 wurde er durch die Baumschule entdeckt und verbreitet

Der Schöne(r) aus Gebenhofen – die Apfelsorte aus Gebenhofen, einem Gemeindeteil von Affing im Wittelsbacher Land, ist gefährdet, Entdecker ist Valentin Zeitlmeier, ca. in den 1940iger Jahren

Die Stätzlinger Honigbirne – eine gefährdete Birnensorte, wurde seit ca. 1940 verbreitet durch die Baumschule Ketzer

Die Weissenhorner Birne – ist eine gefährdete Sorte, 40 von 41 bekannten Birnbäumen in Bayerisch-Schwaben befinden sich im Landkreis Neu-Ulm, erstmals wurde sie in den 1890iger Jahren erwähnt – Entdecker war Paul Ziegler, ein Baumschuler in Weissenhorn. Manche kartierten Bäume scheinen jedoch noch älter zu sein.

Textquelle: Hans-Thomas Bosch, Auszug aus der Publikation „Besondere Apfel- und Birnensorten in Nordschwaben“, 2020

Informationen zum LEADER-Projekt „Steuobsterfassung in Nordschwaben“ u. A. unter www.lra-aic-fdb.de/streuobst

Eine schöne Geschichte zu Birnen und Äpfeln gibt es über unsere Bayerisch-Schwaben-Botschafterin, Katharina Zott.
Ihr Bruder betreibt die Obstplantagen rund um Ustersbach, im Naturpark Augsburg - Westliche Wälder, sie veredelt das Obst zu Schnäpsen, Likören oder Bränden und verkauft es in ihrem Hofladen.

Mehr dazu unter "Geschichten und Gesichter Bayerisch-Schwabens"...